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Abenteuer in Tansania - vom Sansibar Archipel mit dem Zug in die Serengeti


Löwin in der Serengeti

Seit einem Besuch im Krüger Nationalpark in Südafrika war klar, dass eine Safari in Afrika bei uns ganz hoch auf der Bucket List stand. Im Sommer 2022 war die Zeit dann endlich gekommen. Wir machten uns auf nach Ostafrika. Das Ziel war in einem selbst organisierten Trip von Sansibar in die mehr als 1.000 Kilometer entfernte Serengeti zu reisen, und zwar mit dem Zug. Beim Wort Zug zogen die Einheimischen in Tansania immer erstaunt die Augenbrauen hoch, die meisten Touristen fahren mit Privatshuttles oder fliegen. Über die Jahre haben wir allerdings festgestellt, dass die eindrucksreichsten Erlebnisse immer dann zustande kommen, wenn man sich einfach unter die Locals mischt und gängige Touristenpfade auch mal verlässt.


Für die Einreise nach Tansania brauchen deutsche Staatsbürger ein Visum, das kann mittlerweile online beantragt werden und wird nach Zahlungseingang von 50 USD pro Person innerhalb weniger Tage genehmigt. Weniger einfach war es, an Zugtickets zu kommen, aber dazu später mehr.


Pole Pole in Sansibar


Wegen der günstigeren Flugverbindung starteten wir direkt mit dem chilligen Teil der Reise und flogen mit Qatar Airlines und einem (langen) Stop-Over in Doha nach Sansibar. Das Inselarchipel liegt ungefähr 50 Kilometer vom Festland Tansanias entfernt und ist bekannt für seine tropischen Postkartenmotive.


Handgefertigte Holz-Segelboote prägen das Bild in Sansibar



Die Hauptinsel Unguja ist touristisch gut erschlossen und spielte als Drehscheibe für den Handel mit Waren wie Gold, Elfenbein und Textilprodukte schon im 10. Jahrhundert eine wichtige Rolle für die Handelsströme im indischen Ozean. Die Bevölkerung ist bis heute von vielfältigen kulturellen Einflüssen geprägt und das spürt man auch auf der Insel. "Pole pole" ist hier der Leitgedanke - immer langsam. Leben und leben lassen. Heute ist Sansibar auch als Gewürzinsel bekannt, vor allem für den Anbau von Gewürznelken, Pfeffer, Muskatnuss und Vanille. Die Bevölkerung ist fast ausschließlich muslimisch, mal abgesehen von den Massai, die zu den Hauptreisezeiten auf die Insel pilgern um handgemachten Schmuck oder Schnitzereien gegen ein paar Tanzania Shillings zu verkaufen.


Marktstände am Straßenrand, Chillen in der Michamvi Spirit Lodge, Fußball im Sand, Mongroven am Michamvi Kae, Schnorcheln in der Menai Bay



Der erste Stopp auf Sansibar führte uns in die Michamvi Spirit Lodge zu Angie und Paulo, Sobald man die Pforten der kleinen selbst gebauten Lodge betritt setzt die völlige Entspannung ein. Schnuckelige kleine Bungalows mit Open-Air Duschen, ein türkisblauer Pool inmitten von Palmen und Liege-Schaukeln und immer dabei: die gute Laune an der Bar mit Keeper Santiago! Hier heißt es einfach nur Gepäck abstellen, Flip Flops verstauen (Schuhe braucht hier kein Mensch), Buch raus und Kokosnuss schlürfen.

Der Michamvi Sunset Beach ist nur 200 Meter entfernt und man überquert eigentlich nur einen Fußballplatz aus Puderzuckersand. Am Strand selbst kann man kilometerlang spazieren gehen, mit einem Dhow in den Sonnenuntergang segeln, sich massieren lassen oder südwärts zu den Mangrovenwäldern spazieren und dort inmitten der bizarren Waldlandschaft einen Sundowner genießen. Langweilig wird es jedenfalls nicht!


Nach ein paar Tagen exzessiven Chillens waren wir bereit unsere Kreise ein wenig zu erweitern und haben uns auf einen Touri-Ausflug eingelassen. "Blue Safari" ist die gängige Tour in einem traditionellen Dhow - die Holz-Segelboote werden auch heute noch von Hand gefertigt und kommen meist ganz ohne Nägel aus. In diesem Gefährt mit nur einem Segel durchquerten wir die Menai Bay, Trotz mäßiger Winde nahm das Boot schnell Fahrt auf und wir fuhren durch bizarr bewachsene Felsen, sprangen zum Schnorcheln ins Wasser und ließen uns auf einer der Sandbänke mitten im schillernden Ozean die Sonne auf den Bauch scheinen, Highlight zum Abschluss war ein einfach gehaltenes aber sehr leckeres Barbecue auf einer kleinen Insel. Obwohl das Schnorchel-Erlebnis nichts außergewöhnliches war würde ich den Ausflug insgesamt wieder buchen.


Cristal Beach Resort



Nach vier Tagen zogen wir weiter gen Süden und quartierten uns in einem Strandbungalow im Cristal Beach Resort ein. Das Resort liegt direkt am Paje Beach, ein Traum in weiß und türkis. Der langsam abfallende Sandstrand ist stark von den Gezeiten auf dieser Seite der Insel betroffen, was aber überhaupt kein Problem ist. Morgens war das Wasser weit zurückgezogen und Einheimische haben Algen und Muschen im nassen Sand gesammelt. Dann kam das Wasser mit spaßigem Wellengang zurück und mittags zierten zahlreiche Kite-Surfer den Himmel - und wir genossen die Show. Durch den Wind wird es abends schnell kühl, ein Pulli ist hier deshalb empfehlenswert. Direkt hinter dem gleichnamigen Strand liegt das kleine Städtchen Paje, in ca. 10 Minuten zu Fuß erreichbar mit Gewürz- und Souvenirläden, Restaurants und allerlei Street Food.

Am Strand befinden sich einige Tauchschulen, die auch Schnupper-Tauchgänge ab 10 Jahren anbieten. Laut Reiseführer sollte man die Schwesterinsel Pemba nordöstlich der Hauptinsel Unguja keinesfalls verpassen - also rauf aufs Boot und Tauchausrüstung an. Eine Delfinschule war direkt das erste Highlight im Wasser. Tansania hat sehr strenge Auflagen zum Schutz der Natur - daher werden hier auch keine Tiere angefüttert. Man muss aber sagen, dass das Tauchgebiet wegen der starken Strömungen schon eine Herausforderung ist und wir hatten ziemlich mit seekranken Passagieren zu kämpfen. Die Riffe waren den Trip allerdings wert!


Auch für den Tauchausflug ging es auf's traditionelle Dhow



Stonetown und Besuch einer Spice Farm

Die größte Stadt und Sitz der Verwaltung auf Sansibar ist Sansibar-Stadt im Westen der Insel. Stone Town ist der älteste Stadtteil und seit dem Jahr 2000 UNESCO Weltkulturerbe. Im 19 Jahrhundert beherbergte die Stadt den größten Markt für den ostafrikanischen Sklavenhandel, diesen kann (und sollte) man auch heute noch besichtigen. Berühmtestes Kind der Insel dürfte Freddie Mercury sein, ihm ist hier auch ein Museum gewidmet. Das Stadtbild ist geprägt vom Flair des späten 19. Jahrhunderts mit ein paar pompösen Gebäude wie dem ehemaligen Wohn-Palast des Sultans und das Arabische Fort mit seinem Amphitheater. Der Großteil der Gebäude hat jedoch schon bessere Tage gesehen und man merkt, dass hier Geld für Restaurierung und Renovierungen fehlt und daher sind ehemals prunkvolle Gebäude dem Zerfall ausgeliefert. Rund um Sansibar Stadt befinden sich allerdings die Gewürzfarmen der Insel, und die Kombination aus Stadt- und Farmbesuch ist dann einen Ausflug wert.


Nach der Stadttour besuchten wir die Hakuna Matata Spice Farm, knapp 20 Minuten Autofahrt von Sansibar-Stadt entfernt. Natürlich wird das ganze touristisch aufgezogen, aber was die Guides über die Pflanzen, Früchte und Wurzeln sowie deren medizinische Wirkung wissen ist schon beeindruckend. Knapp 1,5 Stunden wandert man hier direkt durch die Felder und sieht, riecht und schmeckt unter anderem Nelken, Muskatnüsse, Vanille und Zimt. Zum Abschluss der Tour gibt es frische Früchte und Kokosnussmilch - die per Hand geerntet wird (Video unten). Die Leichtigkeit, mit der die Einheimischen die Palme erklettern, ist mühsam erlernt - unsere Kinder kam nicht mal zwei Meter hinauf...




Mit der Fähre ans Festland - Dar Es Salaam


Nach gut 10 Tagen Inselleben nahmen wir die Fähre rüber zum Festland. Dar Es Salaam nennt sich die Hauptstadt Tansanias, und sie ist in gerade mal 2 Stunden Fährenüberfahrt von Sansibar aus zu erreichen. Die Tickets bekamen wir über die Hotelrezeption, vorab zu buchen wurde uns empfohlen. Am Hafen herrschte buntes Treiben, viel zu viele Menschen schoben und drückten sich durch die Abfertigungshalle, mal durch die Sicherheitskontrolle hindurch, mal daneben vorbei. Hakuna Matata Style. Wir waren froh über den netten älteren Herrn, der unser Gepäck gegen ein paar Scheine zum richtigen Ort bringen würde. Wir brachten Klebeband-Streifen mit Namen und E-Mail Adresse auf den Rucksäcken und Koffern an und hofften das Beste.


Die Fähre war voll und die Sitzplätze karg, also quetschten wir uns mit den Locals auf dem obersten Deck auf den Boden. Nach nicht mal einer Stunde zeichnete sich die Kulisse einer Großstadt am Horizont ab, davor viele traditionelle Dhows. Der Kontrast ein absoluter Hingucker. Das Aussteigen war genauso eindrucksvoll wie das Boarden zuvor, Menschenmassen wuselten hin und her und versuchten ihr Hab und Gut auf einer der Gepäckwagen zu erspähen. Es dauerte nicht allzu lange, da hatten wir wieder einen netten älteren Herrn an der Seite, der uns nach der Gepäckwagennummer fragte. Gegen Trinkgeld begab er sich nun auf die Suche nach unseren Rucksäcken, und einen Sohn mit Taxi hatte er auch noch am Hafen stehen.



Auf der Fähre


Mit Sohn Mustapha schlängelten wir uns eine gute halbe Stunde später durch die proppenvollen Straßen Dar Es Salaams, und waren schnell ziemlich überfordert vom bunten Treiben der unglaublich vielen Menschen in den Straßen und dem Lärm der Werbeslogans aus den Megafonen am Straßenrand. Wir beschlossen, zuerst die Zugfahrkarten abzuholen und dann in der Stadt zu essen - wer weiß wann wir wieder was zwischen die Zähne bekommen würden. Wie lange die Fahrt nach Arusha am Kilimandscharo dauern würde, konnte keiner so genau sagen. Das hängt davon ab, wie lange der Zug an den Zwischenstationen halt machen würde - so lange eben bis alle gegessen und eingekauft hatten. Irgendwo zwischen 18 und 35 Stunden lag wohl die Reisezeit. Wir hatten einen Schlafwagen gebucht und sahen der Reise daher relativ entspannt entgegen.


Wartehalle am Hafen in Sansibar - Eindrücke aus Dar Es Salaam



Kurzer Exkurs: Der Nervenkitzel begann schon beim der Kauf der Fahrtkarten. Online war es unmöglich, die Abfahrtzeit ausfindig zu machen. Laut Streckenplan der TRC (Tanzanian Railway Cooperation) gab es aber immer freitags die Verbindung Dar Es Salaam - Arusha am Kilimandscharo. Abfahrtszeit flexibel.... Auf der Webseite gibt es sogar die Möglichkeit der Online-Buchung. Sobald ich aber mit meinen zwei Brocken Suaheli "Fahrkarte für Gäste" - also Touristen - ausgewählt hatte erhielt ich eine Fehlermeldung. Wir hakten online ab, Plan B war, vor Ort in Tanzania einfach anzurufen. Auch das war nicht so einfach, weil die Mitarbeiter tatsächlich kein Wort englisch sprechen. Nicht einmal der Hotelmanager des Cristal Resort konnte telefonisch eine Buchung platzieren, man sollte die Tickets vor Ort kaufen. Am selben Tag ist dann aber meistens kein Abteil mehr verfügbar, es bliebe dann die 3. Klasse. Bei aller Liebe zum Abenteuer war das mit Familie dann doch suboptimal. Was war also Plan C? Die letzte Hoffnung war unser Safari-Anbieter aus Dar Es Salaam - der schickte tatsächlich einen Mitarbeiter zum Bahnhof und dieser konnte unsere Tickets dort bezahlen und hinterlegen. Geschafft!


Der Bahnhof in Dar Es Salaam - auf zum Zug! - im Schlafwagen-Abteil



Im Zug zum Kilimandscharo


Am Schalter erhielten wir gegen Vorlage unsere Reisepässe tatsächlich unsere Tickets. Nach einer stressigen Fahrt zurück ins Getümmel der Stadt, um etwas Proviant einzukaufen, wurden wir am Bahnhof gebeten, mit den anderen am Bahnsteig Platz zu nehmen und zu warten bis unsere Verbindung in die Stadt Arusha aufgerufen wurde. Allerdings rief es ständig etwas aus den Lautsprechern, und wir verstanden mal wieder kein Wort. Als einzige Reisende mit heller Hautfarbe fielen wir ziemlich auf und machten gern Selfies mit den Mitreisenden. Die hatten selbst kein Handy, erhielten die Fotos also nie, aber spaßig war es trotzdem. Der Zug sollte um 14 Uhr abfahren, um 15 Uhr saßen wir immer noch da. Das Personal sprach immer noch kein englisch und der Google Übersetzer funktioniert auch nur mit Internet. Also warteten wir. Und warteten. Gesegnet ist, wer überall schlafen kann! Irgendwann brach allgemeine Hektik aus und die Menschenmenge strömte in Richtung der grünen Waggons. Wir hinterher. Wagennummer und Abteil konnte ich der Fahrkarte tatsächlich entnehmen, und so saßen wir kurze Zeit später auf unseren Pritschen (6 pro Waggon) und hofften, um richtigen Zug zu sein. Ausgerüstet mit Soft Drinks und Knabbereien war die Stimmung super. Die Hitze war mit dem kleinen Deckenventilator auch gut zu ertragen.


Bald kannten wir unsere Abteil-Nachbarn, den Schaffner und einen netten Herrn, der extrem günstige kalte Getränke und sogar warmen Kaffee verkaufte. Die grüne Landschaft sauste an uns vorbei, und bei jedem Halt kamen Frauen mit Lebensmitteln in Körben auf dem Kopf und Kinder zum Zug, die wöchentliche Zugdurchfahrt war ganz klar das Highlight hier. Zum Abendessen gab es sogar Reis mit Hühnchen. Das Schienensystem war der ganze Stolz des Schaffners, das hatten die Deutschen während der Kolonialzeit hier gebaut...und es hielt noch immer. Hoppla. Ob wohl mal einer in der Zwischenzeit die Funktionstüchtigkeit geprüft hatte? Bei voller Fahrt hüpfte der Waggon in regelmäßigem Takt über die Schienen und schwankte teils bedenklich hin und her. Nachts in absoluter Dunkelheit war unsere Abenteuerlust befriedigt, an Schlaf war nicht zu denken. Wenigstens schliefen die Kinder und fielen nicht von den Pritschen, wir hatten vorsorglich den Boden mit den Rucksäcken ausgepolstert.



Mit den ersten Sonnenstrahlen kam auch der Kaffeemann wieder und erklärte uns, dass wir bald in Arusha ankämen. Die Toilette im Zug war eine Kammer direkt neben unserem Abteil mit einer Rinne, die zu einem Loch im Boden führte. Nach mittlerweile 18 Stunden Zugfahrt war das Betreten auch für Hartgesottene eine Zumutung, aber was will man machen. Hier geht es zur Homepage der Tanzania Railway Cooperation - die Erfahrung ist die Mühe auf jeden Fall wert und so einfach und ungestört kommt man sonst nicht ins 'Gespräch' mit Locals.


Zu Besuch bei den Massai


Der Bahnhof in Arusha ist als solcher kaum erkennbar. Die ankommenden Gäste werden aber herzlich begrüßt und wir Weiße direkt von Taxifahrern (also Leute, die einen fahrbaren Untersatz besitzen) belagert. Die Stadt ist der Ausgangsort für die Safaris oder Kilimandscharo Exkursionen in der Region und stark vom Tourismus geprägt. Die Anbieter, die mit bunten Flyern auf überteuerte Ausflüge aufmerksam machen, kann man aber gut umgehen: Tansania unterhält ein staatliches Programm für die Vermittlung von Touristenprogrammen, die Einheimische und Besucher ohne zwischengeschaltete Agenturen zusammenbringen. Auf der Internet-Plattform Tanzania Cultural Tourism Program des staatlichen Tourismusverbands bieten lokale Communities ihre Programme für Touristen an und die Einnahmen gehen direkt in die Projekte und Dörfer. Diese Einnahmequelle ist enorm wichtig für die Bevölkerung, die oft nur einen sehr geringen Anteil der Ausflugskosten von den ausländischen Agenturen erhalten. Über diese Webseite wurden wir auf das Massai-Dorf Ilkindin'ga außerhalb von Arusha aufmerksam.



Traditioneller Tanz der Massai



Massai Stämme leben im Norden Tansanias und im Süden Kenias. Manche Stämme leben bis heute als Nomaden und überqueren die Grenzen der Länder je nachdem, wo die Nahrungssuche sie hinführt. Sie leben in kleinen Hütten, die sie aus Zweigen, Erde und Kuhdung erbauen und züchten Ziegen und Rinder. Manche leben bis heute ausschließlich von Fleisch, Milch und Kuhblut. Da sie keine Wildtiere jagen, dürfen sie heute in geschützten Conservation Areas leben und können so ihre traditionelle Lebensweise fern ab der modernen Welt aufrecht erhalten. Manche Stämme haben sich inzwischen niedergelassen - wie die Bewohner des Dorfes Ilkindig'a. Dort leben fast 20.000 Menschen völlig autark. Wir waren mit dem Chief Eliakimu unterwegs und staunten über die Lebensweise - die Massai leben tatsächlich immer noch mit ihrem Vieh in einem Haus, um die Tiere vor Wildtieren zu schützen. Die Kinder spielen mit selbst gebauten Autos aus Plastikflaschen und deren Deckeln, die als Räder an der Flasche befestigt werden. Geführt vom Chief Eliakimu streiften wir durch die Felder, deren Früchte das ganze Dorf ernähren. Bewässerungsgräben leiten Wasser vom Mount Meru in die Felder - vor 2 Jahren haben die Kinder das Wasser zum bewässern der Felder noch aus dem Fluss herbei geholt. Handwerker schmieden hier die bekannten Massai-Messer. Frauen knüpfen den traditionellen Schmuck, waschen die Wäsche im Fluss oder bereiten Mahlzeiten zu. Wir durften zwei Familien zu Hause besuchen, die älteste Dame dort war 110 Jahre alt. Besonders beeindruckt hat uns die Grundschule - in einem für unsere Verhältnisse normal großen Klassenzimmer werden hier 140 Kinder unterrichtet. Weil Bücher fehlen, sind die Gebäude mit Weltkarten, dem Alphabet oder dem Herzkreislauf bemalt, um Wissen zu vermitteln. Dieser Ausflug war ein ganz besonderes Highlight und ich kann das Programm wirklich wärmstens empfehlen: das "Eintrittsgeld" kommt direkt den Menschen im Dorf zu Gute und man trifft nicht auf eine der typischen Touristenshows.



Die 110 Jahre alte Dame segnet uns - ein Massai-Ziegenhirte, der Markt im Dorf, die Grundschule, Mittagessen aus Kartoffeln, Bohnen und Gemüse, Frauen auf dem Weg zum Wäschewaschen am Fluss, Spielzeugauto selbstgebastelt


Die "unendliche Weite" ruft - ab in die Serengeti


Beim Besuch bei den Massai wurde die große Serengeti schon während des traditionellen Tanzes besungen, ist sie doch die Lebensgrundlage der heutigen Massai Nomadenstämme. 30.000 Quadratkilometer groß ist die "unendliche Ebene", was Serengeti aus der Massai Sprache übersetzt bedeutet. Das Gebiet ist unterteilt in geschützte Nationalparks und Conservation Areas, wo die Massai heute leben dürfen. Der bekannteste ist der Serengeti-Nationalpark, der fast 15.000 Quadratkilometer umfasst. Hier findet man keine Hotels, kaum Infrastruktur (ein paar Picknickplätze und Toiletten) und nicht eine Plastiktüte oder sonstigen Müll (Plastiktüten sind in ganz Tansania verboten, der Import ist sogar strafbar). Hier greift der Mensch auch nicht in die Natur ein, wir durften nicht einmal Apfelreste in die Natur werfen - alles wird gesammelt und wieder mit aus dem "Park" genommen.

Die Savanne ist fast baumlos, hier und da findet man grüne Wasserlöcher inmitten der Grassteppen. Der freie Blick in alle Richtungen bis zum Horizont ist atemberaubend schön, so wie die gesamte Safari ein bleibender Eindruck ist.


Wir hatten die Safari bei einem lokalen Anbieter gebucht - African Scenic Safaris. Das Angebot war genauso professionell wie die der deutschen Anbieter, aber nur halb so teuer. Insgesamt 5 Tage wollten wir die Serengeti und den Ngorongoro Krater erkunden. Unser Guide namens Jackson holte uns morgens mit einem typischen Safari Geländefahrzeug in Arusha ab und los ging es auf die doch recht lange Anfahrt ins Niemandsland.


Einfahrt in den Ngorongoro Krater


Der erste Stopp hielt direkt eine Überraschung bereit - am Rande des Ngorongoro Kraters standen wir tatsächlich auf 1.600 Meter Höhe und froren erbärmlich im kalten Wind. In den Krater hinunter sollte es am Ende der Reise gehen, jetzt rief erstmal die Serengeti. Nach und nach fuhren wir an den ersten Giraffen und Zebras vorbei und erreichten abends die erste Unterkunft. Da keine Gebäude im Serengeti Nationalpark errichtet werden dürfen gibt es nur wenige mobile Zeltunterkünfte, die autark ohne Strom- oder Wasserleitungen arbeiten und mit den wandernden Tierherden je nach Jahreszeit umziehen. Daher findet man auch keine Schilder zu den Unterkünften, man ist hier wirklich auf einen erfahrenen Guide und sein Funkgerät angewiesen. Unser Zelthotel war ein weiteres Highlight der Safari - das Embalakai Camp. Zaun gibt es keinen, man ist tatsächlich mitten drin. Morgens findet man die Hinterlassenschaften der Wildtiere vor dem Zelt, die ein oder andere Giraffe schaut neugierig herüber und man fragt sich etwas bange, ob man die Geräusche nachts nur geträumt hat oder nicht. In der Dunkelheit darf der Weg vom Restaurant-Zelt zum Schlaf-Zelt nur in Begleitung eines Camp-Mitarbeiters und mit Taschenlampen zurückgelegt werden. Wagt man sich doch im Dunklen kurz auf die Holz-Veranda vor dem Zelt wird man mit einem überwältigenden Sternenhimmel belohnt, den es sicher nicht mehr vielerorts gibt.



Eindrücke aus der Serengeti - Embalakai Serengeti Camp


Früh am nächsten Morgen ging es endlich so richtig los. Jackson, unser Fahrer, wusste zu wirklich jeder Frage die richtige Antwort und kannte die typischen Stellen, wo man die Tiere finden würde. Da die Savanne unendlich weit ist, trifft man nur ab und zu auf andere Touristen, zum Beispiel wenn eine Löwenfamilie im Gras entdeckt wird und sich das Highlight per Funk rumspricht. Ansonsten ist man stundenlang allein im Auto unterwegs und bestaunt durch das offene Dach Löwen, Hyänen, Elefantenherden, Büffel, Flusspferde oder verfolgt sprach- und atemlos wie ein Gepard eine Gazelle fokussiert und schließlich lossprintet. Von manchen Parks in Afrika hört man, dass nach stundenlanger Fahrt nur vereinzelt Tiere gesichtet werden. In der Serengeti ist das anders - das Hinsetzen im Auto hat sich eigentlich gar nicht gelohnt und am Ende hieß es nur noch - ah, wieder ein Löwe. An Löwen kommt man bis auf 1-2 Meter heran wenn man sich traut, und die ganz Mutigen öffnen das Fenster für ein Erinnerungsfoto. Die Tiere sind aber so entspannt und an die Autos gewöhnt, dass sie nur kurz aufschauen und weiterschlafen - meistens jedenfalls. Wenn ein Löwe doch mal einen Menschen anfällt muss dieser tatsächlich erschossen werden, weil Menschenfleisch so salzig und lecker für die Tiere ist dass diese dann gezielt auf die Jagd gehen. Der Toilettengang hinter dem Auto war im Wissen dieses Details nicht mehr so richtig entspannt,



Abstecher in den Ngorongoro Krater


Zum Abschluss der Reise (Reise = Safari auf Suaheli) fuhren wir hinunter in den Ngorongoro Krater. Die Kraterebene - die 21 km lang und 17 km breit ist - beherbergt die größte Raubtierdichte in Afrika sowie einige tausend Massai Nomaden. Immer wieder trifft man auf die jungen Ziegenhirten, die Weideflächen für ihre Tiere suchen und den Tag dann dort verbringen. Oder auf Mädchen auf der Suche nach Feuerholz.


Außer den Massai-Dörfern gibt es im Krater keine Camps, nur relativ teure Lodges am Kraterrand. Wegen der Höhe erinnert der Aufenthalt hier an einen Urlaub in den Bergen, man könnte glatt vergessen dass man in Afrika ist, wären da nicht die Zebras und Elefanten vor dem Zimmerfenster. Der Holzofen und die Wärmflaschen waren für die Nacht bitter nötig - deshalb ein kleiner Tipp: warme Klamotten sollte man für eine Safari packen!



Geschafft und gesättigt von den vielen Eindrücken ging es am fünften Tag zurück nach Arusha. Eine warme Dusche mit ordentlich Wasserdruck und ein Hotel-Buffet waren Grund zu großer Freude - was ein Luxus! - aber es war doch recht still am Tisch und jeder verarbeitete mit einem subtilen Grinsen im Gesicht still seine Eindrücke.




Am folgenden Tag flogen wir vom Kilimandscharo International Airport über Doha zurück nach Deutschland.


Was ein eindrucksvolles Land. Trotz allgegenwärtiger materieller Armut begegnet man hier so viel Fröhlichkeit und Gastfreundschaft. Im Gepäck hatten wir nicht nur Gewürze und andere Souvenirs sondern vor allem bleibende Erinnerungen an diese unberührte Natur und die mutigen Menschen, die hier seit Jahrhunderten (über-)leben.








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