Eisige Landschaften, Rentiere und Schlittenhunde in Lappland, Schweden


Sonnenaufgang in Paksuniemi, Lappland


Einmal die Polarlichter sehen - das war der ausschlaggebende Grund für einen Kurztrip im Februar 2022 in den Hohen Norden. Unser Ziel: über Kiruna, den nördlichsten Flugplatz Schwedens, nach Paksuniemi, einem kleinen Dorf unweit von Jukkasjärvi und seinem weltberühmten Eishotel. Über AirBnB fanden wir eine kleine Holzhütte direkt am Fluss Thorne. Die Beschreibung hörte sich abenteuerlich aber urgemütlich an: kein WLAN, kein fließend Wasser und damit kein Bad - dafür aber eine Trockentoilette außerhalb und eine Sauna direkt am Fluss.


Ankunft am Kiruna Flugplatsen - unsere Hütte am Fluss Thorne - digitale Auszeit -

der Weg zur und die Trockentoilette


Bei der Landung in Kiruna um 19 Uhr präsentierte sich Lappland genauso abenteuerlich wie erwartet: Eisflächen soweit das Auge reicht, Temperaturen um die -20°C und rabenschwarze Dunkelheit. Das kleine Flugzeug stand gefühlt mitten im Eis, als wir über die Landebahn zum Flugplatzgebäude schlitterten. Finger und Nasenspitze waren in Sekunden eiskalt, aber die Vorfreude hielt uns warm. Das Gepäck war im Nu eingesammelt, der Schlüssel des Mietwagens wurde uns am Schalter überreicht, aber raus in die Kälte zur Wagenübergabe wollte der Herr dann lieber nicht. Wir suchten also mit den Koffern im Schlepptau zwei Parkplätze nach einem roten Renault ab - die Farbbeschreibung war bei den völlig zugeschneiten Autos nicht sehr zielführend. Die Koffer ließen sich auch nicht so easy durch den Schnee ziehen, und die kalte Luft fraß sich allmählich durch die zu dünnen Klamotten, sprich die Laune sank rapide. Irgendwann konnten wir unser Fahrzeug dann anhand des Kennzeichens identifizieren und dank einer kleinen Heizungsbox im Fußraum ließ sich der Wagen problemlos starten. Auf zur Hütte!


Paksuniemi - der zugeschneite Thorne-Fluss - unsere Sauna


Nach einem kurzen Boxenstopp im Supermarkt und etwas Sucherei entlang der kryptischen Wegbeschreibung ('nach dem roten Bushaltestellenhäuschen rechts') fanden wir unsere Unterkunft: einfach aber an Charme kaum zu übertreffen bot die Holzhütte ein großes Zimmer mit 4 Schlafplätzen, einem Tisch und einer Küchenzeile mit Wasserkanister. Die Fenster waren nur einfach verglast und die Flickenteppiche auf dem Holzboden konnten die Kälte auch nicht wirklich abhalten - also musste ein Feuer im Kamin her. Dick eingepackt ohne Fernseher und Co. waren die Tage in der Holzhütte einfach und gemütlich. Gegen 8 Uhr morgens ging die Sonne über der weißen Eislandschaft auf, kurz vor 15 Uhr ging sie wieder unter. Nur die Körperpflege gestaltete sich ohne Badezimmer etwas kompliziert - Haarewaschen in der Spülschüssel geht zur Not aber auch mal. Interessant war die Trockentoilette ein paar Meter vom Haus entfernt, mal eben austreten bedeutete rein in die Schneeklamotten, Stirnlampe auf, Stiefel im Windfang anziehen und in der kalten, dunklen Nacht das kleine Holzhaus finden ohne einen Elch anzurempeln.


Der Aufenthalt etwas ab vom Schuss hier oben war abenteuerlich und lässt bleibende Eindrücke zurück. Die Stille und das weiche Sonnenlicht über der hellweißen Landschaft am morgen allem voran, aber auch die zurückhaltend freundlichen Menschen, die hier im Winter in völliger Dunkelheit leben. Schnell geht hier oben gar nichts. Die perfekte Auszeit, um den Alltag zu entschleunigen.


Kunst aus Eis und Schnee - das Icehotel


In Jukkasjärvi befindet sich ein Kunstwerk der ganz besonderen Art: ein Hotel aus Eis.


Zimmer im Eishotel - die Hotel Eisbar


Jedes Jahr wird es von Künstlern aus aller Welt erbaut und gestaltet, um dann im April wieder wegzuschmelzen. Man muss nicht unbedingt dort übernachten, es sah ehrlichgesagt auch nicht sehr einladend aus - bei -5°C schläft man in dicker Montur auf Rentierfellen in den Eisbetten. Allerdings kann man das Ganze auch einfach besichtigen - nicht günstig aber lohnenswert. Der Weg zu den Zimmern führt durch eine beeindruckende Eingangshalle mit hohen Säulen und Eisschnitzereien an Wänden und Decke. Die Stimmung hier ist eine ganz eigene Mischung aus Ehrfurcht und Staunen. Von hier zweigen sich mehrere Gänge ab und führen zu Ausstellungszimmern in den unterschiedlichsten Stilrichtungen - von fantasiereich verspielt bis minimalistisch oder geometrisch klar. Jedes Zimmer wurde von einer Gruppe Künstler aus einem Land gestaltet, wie man den Plaketten am Eingang entnehmen kann. Eine kleine Kapelle für Zeremonien findet man hier ebenso wie eine Eisbar wo selbst die Trinkgläser aus Eisblöcken gehauen wurden. Nach zwei Stunden Besichtigung war uns dann aber weniger nach einem coolen Drink sondern eher nach heißer Schokolade am Kamin.





Schlittenhundfahrt mit schwedischer Fika


Unternehmungen hier oben gibt es viele: vom Eisfischen über's Iglu-Bauen bis hin zum Schneemobil-Rennen auf dem zugefrorenen Flussbett der Thorne. Wir haben uns für ein rasantes, tierisches Abenteuer entschieden: 75 Alaska-Huskies besitzt Âsa von Arctic Dogsled Adventures. Die Hunde gehören zur Familie, werden auf dem Hof geboren und bleiben ihr ganzes Leben. Geht der Betreuer in Urlaub, gehen 'seine' Hunde mit. Jedes Gespann wird von einem Wurf gezogen, und so verstehen sich die Hunde blind.

Wir wollten nicht nur auf einem Schlitten mitfahren, sondern selbst steuern. Dafür gab es zuerst die 'richtige' Ausstattung, unsere Skiklamotten wurden eher belächelt. Mit Overall, Pelzmütze und schweren Stiefeln ging es dann nach draußen zu den Hunden. Das Herz rutscht einem dann schon in die Hose, wenn man die aufgeregten Huskies heulen hört, die mit aller Kraft am Gespann ziehen und endlich losrennen wollen.


Alaska-Huskies - das Gespann - schwedische Fika am Lagerfeuer



Eine kurze Einführung sollte reichen: Ein "Eisenanker" in den Schnee gerammt hindert den Schlitten daran, weggerissen zu werden. Durch Verlagerung des Körpergewichts auf die linke oder rechte Schlittenkufe könnte man theoretisch lenken, aber die Tiere rennen sowieso auf dem gewohnten Weg entlang. Drückt man während der Fahrt einen Metallkeil mit einem Fuß nach unten wird der Widerstand erhöht und die Fahrt langsamer, ich würde jetzt aber nicht von "bremsen" sprechen. Uns wurde eingebläut, bei einem Sturz den Schlitten auf keinen Fall loszulassen - sonst wäre das Gespann über alle Berge. Tatsächlich wurde es ein paar Mal in den Kurven knapp und wir sind auf einer Kufe aus der Biegung geschlittert oder haben ein paar Äste mitgenommen, aber passiert ist weiter nichts. Jeder Schlitten wird von einem Fahrer hinten gelenkt, vorne hat noch ein Beifahrer Platz. Man sollte allerdings bedenken dass es schon eiskalt wird wenn man vorne im Sitzen durch den kalten Wind braust. Nach zwei Stunden wurde es dann höchste Zeit für eine Pause (Fika in Schweden) - und die gestalteten die beiden Besitzer Asa und Ulf urgemütlich in einer Hütte mit Lagerfeuer bei Suppe und Sandwiches. Perfekt um die eingefrorenen Finger aufzutauen.


Wer den Nervenkitzel sucht sollte bei der Auswahl einer Tour unbedingt darauf achten, dass man den Schlitten selbst steuern darf. Das Erlebnis ist wirklich einmalig.




Zwischenstopp in Stockholm


Nach vier Tagen wartete der Flieger wieder am Kiruna Flugplatsen, um uns zurück nach Stockholm zu bringen. Zwei Tage Städtetrip waren hier noch geplant und alle freuten sich doch sehr drauf, wieder ohne dicke Montur unterwegs zu sein.




Der Anblick von uns vieren frisch aus der Wildnis ohne Dusche brachte die Empfangsdame im empfehlenswerten Kung Karl Hotel - das älteste Stockholms - zum Schmunzeln und ich war froh, dass der Check-In vorab geregelt und somit sehr schnell war. Wie luxuriös eine warme Dusche doch sein kann!


Das entspannte Stockholm hat Familien mit Kids richtig viel zu bieten, allem voran das Vasa Museum. Beim Wort Museum stoßen die meisten Eltern bei angehenden Teenagern wohl erstmal auf wenig Begeisterung. Erstmal dort ist dieses Erlebnismuseum jedoch ein echter Hit. Schwedens ältestes Kriegsschiff ist hier in seiner vollen Pracht und Größe zu bestaunen - drei Stockwerke führen um das riesige Holzschiff herum, begleitet von interaktiven Ausstellungen zum Leben auf dem Schiff, den Bronze-Kanonen, Original-Kleidung der Besatzung, Münzen und vielem mehr. Die Vasa sank auf ihrer Jungfernfahrt noch im Stockholmer Hafen im Jahr 1628, und konnte dort erst 1961 geborgen werden. Allein das Schiff (69m lang und 53m hoch) aus den unterschiedlichen Perspektiven über die drei Stockwerke zu sehen ist beeindruckend und sollte bei einem Stockholm-Besuch auf jeden Fall auf der Liste stehen. Die Altstadt Gamla Stan ist zu Fuß gut zu erkunden, und auch hier gibt es zahlreiche Gelegenheiten die schwedische Fika bei Zimtschnecken und weißer heißer Schokolade zu zelebrieren. Mittags ist die Markthalle im Stadtteil Östermalm ein echter Hit. In der “Östermalms saluhall”, wie die Markthalle offiziell heißt, gibt es alles, was das Herz und der Magen begehren: Obst, Gemüse, Fleisch, Wild, Käse, Kaffee, Tee und in mehreren Restaurants kann man hier Schwedens Fisch-Spezialitäten probieren - Schwarzbrot mit allen möglichen Sorten von frischem, geräuchertem und gebeiztem Fisch. Doch nicht nur in der Stadt kann man viel erleben, auch drum herum: hätten wir nicht noch die Kälte Kirunas in den Gliedern gehabt, hätte ich die Meute sicher noch zum Kajak-Trip durch die eisigen Schären vor Stockholm überreden können. Naja, next time.



Innenhof Kung Karl Hotel - Gamla Stan - Markthalle 'Saluhall' - Inselhüpfen per Bootstour -

das Kriegsschiff Vasa - Stockholm bei Nacht




Mit den Polarlichtern hat es am Ende leider nicht geklappt - der Himmel war zwar sternenklar aber die Sonnenaktivität einfach zu gering. Die Eindrücke vom Leben im Hohen Norden waren aber auch ohne diese Erfahrung ganz besonders - und so gibt es einen Grund auf jeden Fall hierher zurück zu kommen!

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