Inselhüpfen im Ionischen Meer - Segelabenteuer und türkisblaue Buchten



 

Die Insel Korfu


Per Direktflug brechen wir im Sommer 2021 zur griechischen Insel Korfu auf. Ein paar Tage möchten wir gern die Insel erkunden, bevor wir dann in der Marina Gouvia einschiffen und das Ionische Meer per Segelboot unsicher machen.


Was man über die Inseln an der Westküste Griechenlands wissen sollte: sie unterscheiden sich baulich und kulinarisch von den Kykladen, die in Deutschland etwas bekannter sind. Die Ionischen Inseln sind von über 500 Jahren venezianischer Herrschaft geprägt, und so findet man in Korfu-Stadt (oder Kérkira wie die Einheimischen sagen) ein bezauberndes historisches Stadtzentrum mit zwei venezianischen Burgen, verwinkelte Gassen zwischen farbenfrohen Gebäuden, schattige Arkaden und gepflasterte Plätze mit unzähligen kleinen Kirchen. Es ist gar nicht so einfach sich hier zu orientieren - aber irgendwann kommt man doch immer wieder am Alten Fort mit der großen Esplanade an. Mein Vorschlag für Korfu mit Familie: Das Alte Fort besichtigen und sich anschließend einfach durch die Gassen mit den vielen Geschäften treiben lassen, zwischendurch ein köstliches aber etwas teures Eis und einen kleine Kosmetikbehandlung mit knabbernden Fischen - das Resultat sind danach herrlich weiche Füße in den Flip Flops. Etwas versteckt und daher umso gemütlicher liegt das Restaurant Bellissimo - die Pizzen sahen fantastisch aus - wir haben uns dann aber für das korfiotische Nationalgericht "Sofríto" entschieden - in Essig und Knoblauch geschmortes Rindfleisch mit einer intensiven Zimt-Note. Definitiv mal was Anderes für den deutschen Gaumen!





Das immergrüne Korfu ist touristischer als seine ionischen Schwesterinseln. Ausflugsziele gibt es für jeden Geschmack. Beachten sollte man die Nähe zum Flughafen (und den damit verbundenen Lärm) rund um Korfu-Stadt. Wir haben uns daher eine Unterkunft an der Westküste der Insel gesucht. Das Wasser ist überall sehr klar, meist besteht der Strand aus feinen, runden Kieselsteinen. Lohnenswert ist der beliebte Strand Paleokastrítsa. Die Bucht zwischen zwei Steilküsten ist zwar klein und man muss Glück haben oder Wartezeit mitbringen um einen Schirm zu ergattern - aber der Blick ist herrlich und die kleine Höhle rechterhand ist auf jeden Fall einen Besuch wert (man kann dorthin schwimmen und braucht kein Boot zu leihen). Ein Mietwagen oder besser noch ein Roller ist empfehlenswert, auch um den Dörfern in den Hügeln der Insel einen Besuch abzustatten. Nach dem Strandbesuch lohnt sich ein Besuch in der Klippenbar La Grotta - Wegweiser stehen am Straßenrand. 253 Stufen führen nach unten zur Lounge wo man bei Cocktails und Fingerfood den Klippenspringern zuschauen kann. Für kleinere Gäste oder nicht ganz so wagemutige gibt es Sprungbretter etwas näher an der Wasseroberfläche.







Wir setzen Segel - mit Kurs auf Antipaxos


Rund 35 Seemeilen trennen Korfu von den beiden unbewohnten Inseln Paxos und Antipaxos. Der Wind weht meist nicht allzu stark, daher ist das Gebiet bei Familien oder Segelanfängern beliebt.


Am Samstag galt es also den Großeinkauf in der Gouvia Marina zu erledigen und die Woche Familientörn mit unserem ortskundigen Skipper zu planen. Das Ziel: Weg von der Zivilisation und einfach dem Wind folgen bis wir Antipaxos erreichen. Wir hatten überhaupt keine Erfahrung mit dem Segeln und wollten einfach nur die Freiheit auf dem Wasser erleben - und es hat sich gelohnt!

Ich bin gerne über Land unterwegs - am liebsten in öffentlichen Verkehrsmitteln in möglichst fremden Ländern. Segeln ist jedoch eine ganz andere Erfahrung. Man sollte keine Ansprüche an Luxus mitbringen (jedenfalls bei gängigen Budgets), dafür aber Freude an Wasser und Seegang. Ich kann die alte Skipper-Weisheit nur unterstreichen: "Segeln ist die teuerste Art, unbequem Urlaub zu machen". Ja, die Kajüten sind eng, Süßwasser ist nur begrenzt verfügbar und die Hitze kann unerträglich werden. ABER - die Freiheit ist grenzenlos, der Horizont unendlich und die Stille wenn der Motor verstummt und sich die Segel entfalten beflügelt alle Sinne. Ich habe eine gewisse Sucht nach der Energie entwickelt, die man empfindet, wenn man allein durch das Zusammenspiel von Wind und Wasser getragen wird.


Den ersten Zwischenstopp legten wir im kleinen Hafen von Syvota an der Festlandseite ein. Am Pier des kleinen Städtchens schlendern Segelcrews und Touristen durch die Boutiquen und Eiscafés oder genießen die entspannte Atmosphäre in einem der Restaurants direkt am Wasser. Stress kommt hier - wie auch an allen anderen Anlegestellen, die wir kennenlernen durften - nicht auf. Früh am Morgen beginnt dann das quirlige Treiben an der Anlegestelle, und nach einem langen Frühstück legen wir ab und steuern die unberührten Buchten des kleinen Antipaxos an. Die kommende Nacht bleiben wir in der Bucht von Voutoumi, einem Traum aus Sandstrand mit türkisblauem Wasser. Trotz der Märchenkulisse lagen erstaunlich wenige Schiffe dort vor Anker, und bis auf ein kurzes Zeitfenster am Nachmittag kamen auch keine Ausflugsboote. Dank des erfahrenen Skippers konnten wir das Segelboot per Landleine an den Klippen festmachen - und verbrachten die Nacht unter klarem Sternenhimmel.


Bucht von Voutoumi - Anker und Landleine damit das Boot sich nicht verselbständigt



Ein Passage führt zwischen Paxos und Antipaxos hindurch und zur Steilküste an der Westseite der Insel. Wenn man Glück hat und - laut dem Rat einer Einheimischen - zwei Esslöffel aneinander klappert wird man von Delfinschulen begleitet. Wir hatten leider nicht genug Wind und mussten den Motor anschmeißen, der die Tiere vertreibt. Ein Abenteuer war die Passage trotzdem, und die Blauen Grotten von Paxos sollte man nicht verpassen. Es kommen zwar schon einige Ausflugsschiffe hier an, dennoch ist der Anblick des strahlenden Türkis, wenn von oben das Sonnenlicht in die Höhlen einfällt, beeindruckend und gerade mit Kids macht das Schnorcheln in den Grotten unglaublich viel Spaß. Am Nachmittag bildet sich hier dann eine Thermik, die den Schiffen gefährlich werden kann - deshalb sollte der nächste Ankerplatz Lakka im Norden der Insel heißen. Auch diese Ankerbucht verzaubert mit karibischem Flair und eine kurze Überfahrt mit dem Dinghy eröffnet vielfältige Einkaufs- und Bummelmöglichkeiten an der Hafenpromenade oder auch im Dorf. Wer gerne mehr Zeit an Land verbringen möchte kann zum Leuchtturm wandern und wird mit einem atemberaubenden Panoramablick auf die Bucht belohnt.


Gouvia Marina im Sonnenuntergang - Blaue Grotten auf Paxos - Passage zwiscchen Paxos und Antipaxos - Bucht von Syvota - Bucht von Voutoumi



Tropfsteinhöhlen und malerische Hafenstädtchen auf Kefalonia


Die Woche auf dem Segelschiff verging viel zu schnell. Leider konnten wir keinen One-Way Törn buchen und mussten daher zurück nach Korfu zur Bootsübergabe. Per Bus und Fähre ging es im Anschluss über das griechische Festland wieder gen Süden nach Lefkas und weiter zur Insel Kefalonia. Fiskardo ist eines der idyllischsten Hafenstädtchen, die ich je besucht habe. Die Hafenpromenade ist autofrei, es liegen nur die Yachten im kleinen Hafen - direkt vor den Tavernen und Bars. Tagsüber strahlen die bunten Farben der gepflegten Häuser und Boutiquen in der Sonne und abends funkeln überall die Windlichter auf den Tischen - hier möchte man überhaupt nicht mehr weg. Die Felsplatten in der Bucht ersetzen den Strand - oder aber man nimmt circa 20-minütige Fußwege auf sich und erkundet die umliegenden Kiesstrände. Natürlich lohnt es dann doch, das Städtchen wieder zu verlassen - denn Kefalonia wartet mit zwei weiteren Highlights auf: kurvenreich bergab geht es zum verträumten Dorf Ásos auf der gleichnamigen Halbinsel. Ab und zu kreuzen ein paar Ziegen die Straße. 1953 wurde der Ort von einem Erdbeben heimgesucht, deshalb sieht man noch einige Ruinen - ein ganz anderer Charme als das herausgeputzte Fiskardo.


Das malerische Dorf Ásos auf Kefalonia


Fährt man die zurück zur Küstenstraße und weiter in südliche Richtung erblickt man nach nicht allzu langer Zeit den 1km langen Sandstrand Mírtos vor einer weißen Steilküste mit helltürkisblauem Wasser. Es strahlt einem regelrecht entgegen! Der Strand ist immer noch unverbaut, nur ein paar Liegen und einfache Bretterbuden findet man hier. Schatten ist leider Mangelware, und man sollte auch nicht zu dicht an der Felswand liegen, denn die Ziegen verursachen von oben Steinschlag...


Mírtos Beach, Kefalonia



Aber nicht nur Kefalonias Westküste hat viel zu bieten. Der bedeutendste Hafenort der Insel liegt an der Ostküste. Samí kann jedoch nicht mit dem malerischen Fiskardo mithalten. 3km nördlich wartet hier ein weiteres Juwel der Insel - die Melassáni-Höhle. Die Tropfsteinhöhle war im 4. und 3. Jahrhundert vor Christus vermutlich eine Kultstätte, geweiht dem Gott Pan und den Nymphen, und wurde als Eingang zum Reich des Hades verehrt. Die Höhlendecke ist vor tausenden Jahren durch ein Erdbeben zum Teil eingestürzt, und dadurch fällt das Licht je nach Tageszeit immer anders auf den unterirdischen See und lässt die bizarren Formen der Stalagtiten immer anders erscheinen. Der See ist ungefähr 160 Meter lang und 35 Meter breit. Die Lichtstrahlen tauchen das glasklare aber eiskalte Salzwasser in die unterschiedlichsten Blautöne.

Der Andrang hier ist groß und man steht schon eine Weile in der Hitze, bevor man zum schattigen Tunnel gelangt, an dessen Ende die Ruderboote warten. Aus meiner Sicht ist die eigentümliche Stimmung und das Licht-und-Schattenspiel dort unten den Aufwand aber wert.



Griechenlands Postkartenmotiv Nr. 1 - Shipwreck Beach


Zakynthos - "Die Blume der Levante" - ist meine persönliche Lieblingsinsel im Ionischen Meer. Hier befindet sich sogar ein kleiner aber feiner internationaler Flughafen, über den es ein paar Tage später per Direktflug zurück nach Frankfurt gehen sollte.


Zunächst setzten wir per Fähre in knapp 3 Stunden am frühen Morgen vom Süden Kefalonias nach Agios Nikólaos, im Norden von Zakynthos über. Ganz ohne Hürden funktioniert das Reisen hier unten nicht mehr - das macht es aber nur noch interessanter. Die Fährzeiten findet man nicht online, man muss sie bei den Einheimischen erfragen. Tickets online gibt es auch nicht mehr, wie nördlich in Korfu und Lefkas. Man kommt also kurz vor Abfahrtszeit zum Hafen und findet fort einen provisorischen Tisch wo man gegen Bares das Ticket erhält. Generell war es auf den Inseln nie wirklich einfach, ein Taxi zu finden. Auch bei Ankunft einer Fähre sind meist nur vorbestellte Taxis vor Ort. Es gibt aber auf jeder der Ionischen Inseln eine eigene Taxi-App, mit der man Fahrer kontaktieren kann. Jedoch auch hier erhält man schon ab und zu die Meldung, dass momentan keine Taxis verfügbar sind, vor allem an Wochenenden. Auf Zakynthos waren wir erstmal am Hafen gestrandet und haben uns einen schattigen Platz gesucht...um zu warten. Ziemlich lange. Man sollte immer Wasser dabei haben - denn einen Kiosk gab es hier auch nicht. Schließlich kam die Besitzerin der Unterkunft mit einem Bekannten und sammelte uns ein. Der Weg ist das Ziel!


Die letzten Tage dieses Trips quartierten wir uns in ein absolutes Schmuckstück ein: Die Potamitis Windmühlen am Nordkap der Insel verfügen neben zwei umgebauten Windmühlen über weitere 4 Zimmer mit Blick auf das Meer. Über eine (lange) Felsentreppe gelangt man ans Wasser, dazwischen reihen sich Plateaus mit Sonnenliegen und Sprungbrettern aus unterschiedlichen Höhen. Von der untersten Felsplatte gelangt man per Badeleiter ins Meer und kann direkt zur den Blauen Grotten schwimmen. Ein weiterer Vorteil der Unterkunft: man kann die Höhlen flexibel besuchen und die Ausflugsboote am Nachmittag umgehen.


Potamítis Windmühlen Hotel - Blaue Grotten Zakynthos - Zakynthos Stadt


Was man sonst auf der Insel nicht verpassen sollte: Zakynthos-Stadt besticht mit autofreien Fußgängerzonen zum Bummeln, die teils deutschsprachigen Tauchschulen an der Steilküste bieten Höhlentauchgänge auch ohne Tauchschein an, da die Höhlen teils eingestürzt und nach oben offen sind, so dass sie auch Anfängern oder Tauchern ohne Höhlenausbildung offen stehen. Natur- und Tierschutz stecken in Griechenland noch in den Kinderfüßen - aber im Süden von Zakynthos lohnt der Ausflug zum ersten professionell gemanagten Nationalpark des Landes: der National Marine Park. Von Laganás legen kleine Boote ab und führen Touristen zu den unechten Karettschildkröten (Caretta-Caretta), eine der 3 Schildkrötenarten, die noch im Mittelmeer zu finden sind.


Der unumstrittene Klassiker aller Griechenland-Motive ist der Shipwreck Beach, oder auch Navágio Beach. Was hat es damit auf sich? Nun, in den 1970 Jahren ist hier ein Frachter gekentert und wurde an den unzugänglichen Strand geschwemmt. Seither setzt der Rost an und hat den Schiffskörper in ein antik wirkendes dunkelbraun gefärbt. Vom Sand teils zugeweht gibt das Wrack vor der weißen Steilküste und dem helltürkisblauen Meer eine sagenhafte und fast unwirkliche Kulisse ab. Ich bin mir nicht sicher, was beeindruckender ist - der Blick von oben oder der Strand an sich. Die Ausflugsboote schippern natürlich Massen von Touristen herbei - am besten ist es auch hier, im eigenen Boot früh morgens anzureisen. Der Panoramablick von oben erfordert etwas Abenteuerlust - man wird wirklich belohnt, wenn man die Aussichtsplattform neben den Kiosken links liegen lässt und sich auf den Trampelpfad rechterhand begibt. Schatten gibt es keinen und ohne feste Schuhe bekommt man schon ein paar Kratzer ab, jedoch ist der Blick weiter hinten direkt von den Klippen hinunter auf die Bucht und das Wrack unvergesslich.


Der berühmte Shipwreck Beach auf Zakynthos


Fazit: Die Ionischen Inseln sind nicht mit den Inseln der Ägäis vergleichbar. Der jahrhundertelange venezianische Einfluss ist sichtbar, und dennoch spürt man den Charakter Griechenlands. Wer in die griechische Kultur eintauchen will, findet sicher attraktivere Orte auf dem Festland oder in der Ägäis. Möchte man jedoch etwas abseits der typischen Touristenorte unterwegs sein, in karibisch anmutenden Buchten floaten, in Höhlen tauchen - oder die Welt des Segelns entdecken - dann ist dieser Teil von Hellas ein Traum.

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