Kaffeeplantagen und Vulkane - Roadtrip in El Salvador

Aktualisiert: 13. Feb.

El Salvador ist sicherlich keine typische Touristendestination. Das Land wurde in der Vergangenheit von Bürgerkrieg und Bandenkriminalität bestimmt, und dieser Ruf haftet dem kleinen Land an der mittelamerikanischen Pazifikküste immer noch an. Seit ein paar Jahren wendet sich das Blatt jedoch und die einzigartigen Surf-Spots ziehen zahlreiche Backpacker vor allem aus den USA und den umliegenden Ländern an. Wir waren aus familiären Gründen dort, und ich habe mich direkt schockverliebt. Kaum eine andere Destination war so untouristisch und dabei oder vielleicht deshalb so charmant, authentisch und niemals bedrohlich.



Natürlich gilt es auch hier die Standard-Regeln einzuhalten - man wedelt eben nicht mit der Rolex in der Fußgängerzone und wenn der Bauch ein "hier-ist-es-komisch" Signal abgibt sollte man darauf hören. Ich habe mich aber in Mexiko oder Belize unsicherer gefühlt als in El Salvador. Nun zu den Highlights, die es zu entdecken gilt:


An erster Stelle sind es die Menschen. Natürlich hatten wir durch die Verwandtschaft dort einen direkten Zugang zu den Einheimischen, aber auch während unseres Roadtrips waren die Begegnungen mit den Menschen einzigartig. Keine Touristen-Massen, und (Achtung!) - auch keine Sonnencreme zu kaufen...einfach nur gechillte El Salvadorianer die Besucher erst interessiert anlächeln und dann wieder in ihrer Zeitung versinken. Die unberührte Natur und der unerforschte Regenwald sind sicherlich ein Spektakel für Outdoor-Fans, wir haben uns jedoch auf die befestigten Wege beschränkt.


Die Ruta de Las Flores


Die "Straße der Blumen" bietet mehr als tausende bunte Blumen (Blütezeit ist Dezember bis Februar, aber auch außerhalb dieses Zeitfensters lohnt sich die Fahrt). Entlang dieser Route liegen zahlreiche kleine Städtchen aus der Kolonialzeit. Der Charme dieser Strecke ist schwer in Worte zu fassen: Gastfreundschaft, entspannte Menschen und authentisches Essen überall! Hauptattraktion sind sicherlich die Städte Juayua, Ataco and Apaneca. Jede Stadt ist im Muster einer spanischen Kolonialstadt errichtet - ein zentraler Platz (Plaza Mayor) beheimatet die zentralen städtischen Funktionen an jeder seiner Seiten: Kirche, Rathaus, Schule, Gericht. Man kann die Strecke entweder mit dem Bus #249 fahren, der den ganzen Tag hin- und zurück fährt, oder man leiht sich ein Auto - hierzu ein Tipp: Die Buchung über die typischen internationalen Internetplattformen haben bei uns nicht funktioniert, kurz vor Anreise kam die Stornierung. Grund: in El Salvador gibt es für Mietwagen keine Versicherung, damit haben die deutschen Vermittler ein Problem. Am einfachsten ist es, im Hotel vor Ort (nicht am Flughafen!) nach einem Mietwagen zu fragen und direkt zu erwähnen, dass man eine Versicherung dazu buchen möchte. Wir haben für wenig Geld einen ordentlichen Wagen direkt ans Hotel geliefert bekommen und konnten ihn am Abreisetag am Flughafen-Parkplatz wieder übergeben. Service wird hier wirklich ganz groß geschrieben, wenn man über ein paar Dollar-Scheine verfügt (El Salvador hat keine eigene Währung, man bezahlt mit US Dollar).


Impressionen der Kolonialstädtchen - rechts unten ein kulinarisches Highlight, das nur in El Salvador zu finden ist: Pupusas, Teigtaschen gefüllt mit frijoles (rote Bohnen), queso (Käse), Chicharrón (Schweinefleisch) oder "revuelto" - alle drei Zutaten. Dazu gereicht wird Krautsalat und eine rote Soße. An jeder Ecke zu finden!


Suchitoto



Das kleine Kolonialstädtchen Suchitoto liegt ca. 50 km nördlich von San Salvador und hat sich mit seinen bunten Häuschen und gepflasterten Straßen zu einem Künstlerzentrum entwickelt. Galerien, Straßenstände mit allerlei Kunsthandwerk und Musikfestivals an den Wochenenden machen den Reiz dieses Städtchens aus. Die Iglesia Santa Lucia ist auf jeden Fall einen Besuch wert, ansonsten schlendert man einfach durch die Straßen, saugt die heimelige Atmosphäre auf und lässt sich abschließend mit ein paar Softdrinks am Rande des Parque Centenario im Zentrum nieder und beobachtet das Geschehen auf dem Platz und an den Marktständen. Hektik gibt es hier keine. Um den zentralen Platz herum gibt es zahlreiche Pupuserías oder auch Restaurants, wie beispielsweise das Suchimex, mit einem offenen Essbereich und einer kleinen Dachterrasse mit tollem Blick auf die Umgebung und den Suchitlán See. Das Essen im Tex-Mex Style ist gut und es gibt - wie überall - eine große Auswahl an erfrischenden Obst-Shakes. Für die Nacht kann ich das Los Almiendros de San Lorenzo empfehlen, für knapp über 100 Euro übernachtet man zu viert im stilvollen Appartement und einen Pool gibt es auch noch.


Das schwarze Gold - Kaffeeplantagen



In vielen Ländern Mittel-und Südamerikas gedeiht der beste Kaffee der Welt - eine richtige Kaffeekultur gibt es jedoch oft nicht. Ganz anders ist das in El Salvador: Das Klima sorgt für ideale Verhältnisse mit dem konstanten Wind an der Bergkette von Apaneca und dem mineralstoffreichen vulkanischen Böden. Röstereien mit hauseigenen Cafés gibt es zahlreiche, und eine Tour durch eine Plantage mit anschließender Verkostung lohnt sich wirklich.


Gefährliche Brandung und einsame Strände an der Costa Del Sol



Der nächste Stopp für uns war ein Haus direkt an der Costa Del Sol, im Club Joya Del Pacifico gerade mal eine Stunde Autofahrt südlich von San Salvador. Der 10 Kilometer lange Strand ist absolut unverbaut, nur ein paar schattenspendende Strohdächer mit Liegen findet man hier. Wir haben uns an den Rat der Verwandtschaft gehalten und sind nur bis Kniehöhe in den Pazifik, denn die Gewalt des Meeres ist hier tatsächlich furchteinflößend. Die Gewalt der Natur haut einen im wahrsten Sinne des Wortes um - sogar wenn das Wasser nur bis zu den Knien reicht ist es gar nicht so einfach, das Gleichgewicht zu halten wenn sich die Welle mit all ihrer Kraft wieder zurückzieht gen Ozean. Ganz zu Schweigen von dem tosenden Lärm der Brandung. Die Abkühlung holten wir (und vor allem die Kids!) uns also im Pool direkt hinter dem Strand und kamen dann wieder zurück hierher um diese einzigartige Atmosphäre aufzusaugen. Spätestens jetzt wird einem klar, warum dieser Abschnitt des Pazifiks ein Geheimtipp in der Surferszene ist. Etwas nördlich der Küste entlang liegt die Stadt La Libertad, wo sich Surfer aus aller Welt tummeln auf der Suche nach der perfekten Welle.


Die Playa Costa del Sol - der Ausblick zum Frühstück - Sonnenuntergänge verlieren einfach nie ihre Magie

Der Vulkan Santa Ana


Atemberaubender Ausblick in kargen Höhen: ein Höhepunkt in El Salvador ist der grüne Kratersee des Santa Ana Vulkans. Vorher geht es vom Eingang des Parque Nacional Cerro Verde 1,5 Stunden sanft bergauf. Ganz ohne Anstrengung geht es also nicht, aber die Mühe lohnt sich allemal.



Santa Ana ist der höchste Vulkan des Landes mit 2,381 Metern. Der Touristenführer ist obligatorisch. Es kam in der Vergangenheit oben immer wieder zu Überfällen, daher wird man nun für 1 USD bis zum Krater und zurück begleitet. Der Weg vom Eingang führt zunächst einige Zeit durch dichte Wälder, dann wird die Umgebung immer karger und letztlich auch recht steil. Der Aufstieg ist dennoch für Ungeübte und Kinder gut machbar und es gibt generell keine Eile. Am Ziel steht man dann am Rande des Kraters vor dem grünen See und hat einen phantastischen Ausblick auf die unberührte Natur rund um den Vulkan ohne Touristenmassen wie an vielen anderen Kratern. Ausflüge per Bus kann man eigentlich von jeder größeren Stadt aus buchen und das Erlebnis lohnt auf jeden Fall!


Die Hauptstadt San Salvador


Die Catedral Metropolitana im Herzen von San Salvador - Trubel rund um den Markt in der Innenstadt


Vor dem Besuch der Hauptstadt hatten wir schon etwas Respekt. Das Image von Bandenkriminalität, Bestechung und Drogengeschäften haftet hartnäckig an der Stadt. Einmal dort war für uns davon aber nichts zu spüren. Klar, die vermummten Soldaten mit ihren Gewehren hinterlassen erstmal einen Kloß im Hals und als europäische Familie zu Fuß unterwegs zieht man schon die Blicke der Menschen auf sich. Unwohl haben wir uns aber nie gefühlt. Überfordernd kann der Verkehr in der Stadt allerdings sein: Massen von Autos aller Größen drängen sich durch die viel zu kleinen Straßen. Man sieht eigentlich zu keiner Zeit wie viele Spuren es auf der Straße eigentlich offiziell gibt, und es interessiert auch keinen. Genauso wenig wie rote Ampeln. Selbst durch den Markt auf dem Bild oben rechts drängen sich Roller, Autos und auch Lieferwagen. Ich fand das Gewusel und bunte Treiben hier faszinierend, trotz des Gedränges war die Stimmung nie hektisch oder genervt.


El Salvador hat ein paar touristische Attraktionen zu bieten, mehr als einen Tag braucht man dafür aber nicht. Einen Besuch wert sind aus meiner Sicht das Zentrum mit der Catedral Metropolitana und den Marktstraßen, die Iglesia El Rosario und der Nationalpalast. Am besten bucht man sich einen Local Guide über Tripadvisor, so kommt man sicher durch die Stadt und erfährt viel historisches aus der Kolonialzeit oder den langen Jahren des Bürgerkriegs - und diese Geschichten sind wirklich bewegend.


Motorsport in der Wildnis


TÜV gibt es hier keinen, und die Freiheit motorisiert den Regenwald zu erkunden hat man nicht so häufig. Gut, Naturschützer sollten diesen Teil besser überlesen - dennoch möchte ich auf dieses kleine Ausflugsunternehmen von Guillermo alias "Guichi" aufmerksam machen. Auch Anfänger ohne Motorradführerschein können hier schlammige Pfade, Flussbecken oder sandige Motorcrosspisten auf dem Rücken der Enduros (Geländemotorräder) unsicher machen. Touren gibt es für alle Leistungslevels, mit Zwischenstopps auf Kaffeeplantagen, wo die Bohnen von November bis Januar noch per Hand verlesen werden, oder in abgelegenen Dörfern oben in den Bergen mit fantastischem Blick auf den Pazifik.

Eine Beschreibung der verschiedenen Touren findet ihr hier

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Gerade mal eine Woche waren wir in diesem wunderschönen und einzigartigen kleinen Land, und könnten dennoch so viele tolle Eindrücke mitnehmen. Keine touristischen Angebote, aber unverbaute Natur unter strahlend blauem Himmel und einfache, liebenswerte und gastfreundliche Menschen.


Es gibt noch so viele Länder auf dieser Welt zu entdecken, deshalb reise sehr selten zweimal an den selben Ort. El Salvador wird aber eine Ausnahme zu dieser Regel.





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