Reggae Vibes und einsame Strände - Costa Ricas Karibikküste

Aktualisiert: 6. Feb.

Weihnachten in der Karibik - so war der Plan im Dezember 2020. Wir verließen also unser Domizil am Pazifik und durchquerten das Land via San José. Es sind gerade mal 170 km von der Hauptstadt zur Hafenstadt Limón an der Karibikküste, aber die Fahrt sollte man keinesfalls unterschätzen. Die Straßen sind teilweise in desolatem Zustand und man muss das Hochland überqueren - die Fahrt kann schon 4-5 Stunden dauern. Wir hatten auf der Rückfahrt sogar extra Pech aufgrund eines Unfalls (plötzliche Regenschauer kommen häufig vor) und haben ganze 11 Stunden für die 230 km von Manzanillo nach San José gebraucht. Nachts wird es in den Bergen besonders spannend, da es weder Straßenbegrenzungen noch -beleuchtung gibt. Trotzdem lohnt es sich die Küsten - wenn man Zeit hat - zu wechseln, da sich die Ostseite Costa Ricas doch völlig von der Westküste unterscheidet.


Playa Punta Uva


Manzanillo und die südliche Karibikküste


Fährt man von Limón die Küste gen Süden Richtung Manzanillo merkt man schon beim Passieren der Küstenstädtchen, dass man in einer völlig anderen Welt gelandet ist. Der afro-karibische Pace ist hier langsam, Fahrräder nehmen gern die Straße komplett ein, alles ist etwas bunter und auch kulinarisch gibt es hier große Unterschiede zum Rest des Landes. Die europäischen Eroberer ignorierten diesen Teil des Landes jahrhundertelang, wimmelte es doch von Krokodilen und Malaria-übertragenden Moskitos. So hatten die indigenen Völker das Gebiet lange Zeit für sich. Während unseres Aufenthalts besuchten wir eines dieser indigenen Völker - die Bribrí - mehr dazu weiter unten im Beitrag.


Eine gehobene Unterkunft direkt an der Playa Grande ist die Almonds & Corals Lodge. Die Stelzenhäuschen im Regenwald sind nicht günstig, aber der Geräuschkulisse des Regenwaldes im zimmereigenen Jacuzzi unter dem Palmenblätterdach zu lauschen ist ein tolles Erlebnis - auch während einer der Regenschauer.


Almonds & Corals Lodge: Platanos-Staude mit Blüte (Kochbanane), Stelzenhäuser von außen und innen


Obwohl die Lodge inmitten des Regenwaldes liegt, befindet sie sich auch direkt am Meer. Und wo könnte man die Seele besser baumeln lassen als in den hoteleigenen Hängematten direkt an der wilden Playa Grande?



Dieser Strandabschnitt eignet sich weniger zum Schwimmen, und so teilt man sich den menschenleeren Sandstrand meist nur mit ein paar anderen Hotelgästen. Ein ausgedehnter Strandspaziergang führt nach einer guten halben Stunde zu einem der schönsten Strände der Küste samt Schnorchelrevier - der Punta Uva.


Schnorcheln an der Playa Punta Uva



Am Bilderbuchstrand Punta Uva wird es dann wesentlich voller - vor allem am Wochenende treffen sich hier die Tico-Familien zum Pick-Nick. An den Palmen sind Schaukeln befestigt, die einen schwungvoll ins Wasser befördern - ein riesen Spaß für die Kids! Als kühle Erfrischung zwischendurch werden Kokosnüsse angeboten. Den Kontrast der wilden Playa Grande und der malerischen Playa Punta Uva sollte man sich nicht entgehen lassen. Bei Wassertemperaturen konstant um die 28 Grad kann man die Küste mit Schnorchel, Maske und einem landestypischen Sarong ausgerüstet entlang schlendern und sich immer wieder in die Wellen stürzen und die karibische Unterwasserwelt erkunden.


Nach einem langen Tag am Strand bietet es sich an, der Küstenstraße bis zum verschlafenen Fischerdörfchen Manzanillo zu folgen. Gelangt man zu einer Gabelung die dem Ende der Straße gleichkommt steht man vor einem kleinen, sehr empfehlenswerten Restaurant - das Maxis. Im offenen Speisesaal genießt man die frischen Frucht-Shakes mit einer Brise Meeresluft während man die Qual der Wahl beim Durchstöbern der karibischen Speisekarte hat.


Lobster im Maxis in Manzanillo, Straßenkunst und Street Food in Puerto Viejo



Wilde Natur am schwarzen Strand (Playa Negra)


Puerto Viejo und Cahuita sind weitere Küstenorte, die durchaus einen Ausflug wert sind. Nördlich von Cahuita befindet sich die Playa Negra - ein herrlich naturbelassener Strand mit weichem, schwarzen Sand. Zahlreiche Lokale mit relaxtem Flair und gutem Speisenangebot säumen die Straßen.




Besuch beim indigenen Volk der Bribrí


Das Volk der Bribrí besiedelte das Gebiet im Hinterland von Talamanca bereits zu präkolumbianischen Zeiten und konnte sich trotz dem Einfluss zahlreicher fremder Kulturen konnten sich wenige indigene Völker ihre Kultur, ihren Glauben und auch ihre Sprache bis heute erhalten. Das Volk der Bribrí hat sich auf Besucher gut eingestellt, und auch wenn die gängigen Reiseführer eine geführte Tour empfehlen haben wir den Rat einheimischer Verwandter befolgt und uns auf eigene Faust auf den Weg in den gleichnamigen Ort Bribrí gemacht. Es hieß, nehmt die Ruta 36, die zwischen Puerto Viejo und Cahuita ins Landesinnere führt. Nach ca. 20 Minuten gelangt man in den Ort Bribrí, dort führt eine unbefestigte Straße (Achtung Schlaglöcher!) zu einem Fußballplatz (Plaza Deportes, Weg am besten über die App Waze abrufen). Dort angekommen fragt man nach einem Mann namens Catato. Und tatsächlich - Catato hieß uns herzlich willkommen. Vor uns kam ein Bus mit einer Schar Touristen an - 80 USD kostet die Tour pro Person. Wir waren ja selbst angereist und zahlten gerade mal 4.000 Colones pro Nase (5,50 EUR). Wir haben uns dann selbstverständlich mit Kunsthandwerk und selbstgemachter Schokolade eingedeckt, und so unseren Beitrag zum Überleben der Bribrí geleistet.


Da Catato mit der Touristengruppe erstmal beschäftigt war führte uns eine seiner Töchter in den Alltag, die Bräuche und die Kochkunst des Volkes ein. Das Jagen ist den Männern mittlerweile gesetzlich verboten, ansonsten leben die Einwohner immer noch weitgehend autark. Die verschiedensten Obst- und Gemüsesorten sind neben den Heilkräutern hier zu finden. Besonderen Wert legen die Bribrí auf die Kakaofrüchte, die in einer aufwändigen Prozedur über Wochen hinweg getrocknet und schließlich geröstet und gemahlen werden, um Schokolade herzustellen. Alles was dort wächst wird in irgendeiner Form verwertet - robuste Pflanzenfasern werden zu Hängematten verarbeitet, rauhe Blätter dienen als Spülschwämme, Früchte und Samen in intensiven Farben werden zu Kosmetik und für jedes Leid findet der Awa (Arzt) ein Kraut. Alles darf probiert werden - auch für Kinder ist dieser Ausflug eine abwechslungsreiche Erfahrung, die Erinnerungen hinterlässt!


Auf dem Rückweg kann man sich an einem versteckten Wasserfall erfrischen - das Schild "Catarata" am rechten Fahrbahnrand auf dem Weg zurück zur Küste zeigt den Weg zum Parkplatz (1,500 Colones pro Person) und nach einem kurzen, recht Steilen Weg bergab steht man vor den Felsen über die der Wasserfall in drei Etappen braust.


Bribrí Wasserfall, Kunsthandwerk - bemalte Flaschen und Schalen aus Kokosnuss, Schokoladen-Herstellung, Kakaopflanze und ein Pfeilgiftfrosch - die Pfeilspitzen wurden früher über den Rücken der Tiere gestrichen, um das Gift so aufzunehmen



Schildkröten beobachten im Tortuguero Nationalpark


Einen Umweg muss man in Kauf nehmen, möchte man den Tortugeuro Nationalpark auf der Rückfahrt von der südlichen Karibikküste besuchen. Gute vier Stunden fährt man die 170 km von der Playa Negra. Der Park ist einen Besuch wert, wenn man die Zeit dafür hat. Die Rückfahrt nach San José dauert dann nochmal um die vier Stunden, der Ausflug kostet also schon Zeit und Mühe. Ist man dann allerdings erst einmal dort, wird man mit atemberaubender Natur belohnt.


Hat man nur begrenzt Zeit, würde ich anstatt dieses Abstechers lieber in das Refugio Nacional de Vida Silvestre Gandoca-Manzanillo besuchen. Das 55 qkm große Naturschutzgebiet erstreckt sich bis zur Grenze nach Panama und beheimatet ein fünf qkm großes intaktes Korallenriff. Auch hier lassen sich Leder- und Karettschildkröten bei der Eiablage beobachten (v.a. März bis Juli), allerdings muss man sich mit einem lizenzierten Führer auf den Weg begeben. Kontakt zu den einheimischen Führern erhält man auch im Restaurant Maxis im Manzanillo.


Mit dem Boot durch den Tortuguero Nationalpark


Wie schon erwähnt ist der karibische Küstenstreifen ein ganz andere Erfahrung als der pazifische. Und obwohl die Strecke von Küste zu Küste gering erscheint, dauert es doch 5-6 Stunden bis man die zentrale Gebirgskette auf teils unbefestigten Straßen überquert hat. Wenn Zeit jedoch kein Hindernis ist, sollte man auf jeden Fall beide Welten kennenlernen.











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